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Letzte Aktualisierung:
27.10.2010

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Lübecker Nachrichten, 23.7.2010

Ein Hospital für kranke Greifvögel

Eutiner Mitglieder der Mierendorff-Stiftung freuen sich über neue Freiflug-Voliere

Von Eckhard Meier

Kasseedorf - Der junge Uhu schaut, als wolle er sein Gegenüber hypnotisieren. Er hat trotz des jugendlichen Alters schon so lange Krallen, dass er seinem Beschützer erst einmal eine lange, blutige Strieme über den Unterarm zieht - dabei will der ihn doch nur beringen. So geht es nicht selten zu, wenn »Eulenvater« Günter Kurz sich bemüht, in Not geratenen Greifvögeln zu helfen. Pressetermin auf dem Gelände des Schießsportzentrums Kasseedorf: Die Mitglieder der Stiftung Elisabeth Mierendorff »Hilfe für Tiere in Not« haben allen Grund zur Freude - ihre große Freiflug-Voliere ist fertig und wird von den gefiederten Gästen bereits ausgiebig genutzt.  15 000 Euro hat der überdimensionale Käfig gekostet, in dem verletzte Greifvögel behandelt und auf ihre Auswilderung vorbereitet werden. Einen Großteil der Summe hat Bingo-Lotto beigesteuert, der Rest stammt aus dem Stiftungsvermögen.
»Wir haben hier mit Uhus angefangen«, berichtet Günter Kurz, »jetzt rufen uns die Leute schon an, wenn irgendwo eine nackte Schwalbe aus dem Nest gefallen ist.« Die Hilfsstation als Untermieter des Schießsportzentrums der Jägerschaft arbeitet eng mit Auffangstationen in Preetz und Stolpe zusammen. Kurz: »Die haben etwas Personal, ich bin hier praktisch allein. Da ist es gut, wenn man sich mal überörtlich unterstützen kann.« Wie viele Stunden der Zarnekauer für seine Vögel aufwendet, weiß er selbst nicht: »Das habe ich noch nicht gezählt. Es wird eben getan, was getan werden muss.«

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Was willst du denn von mir? Der junge Uhu scheint seinen Gegenüber geradezu mit seinen ausdrucksvollen Augen fixieren zu wollen. Er wird derzeit im Schießsportzentrum aufgepäppelt.
Foto: Eckhard Meier

Hilfe leistet auch die Jägerschaft. »Wir schießen nicht nur, sondern sichern den Tieren auch ein artgerechtes Überleben«, sagt Hans-Jürgen Goldbach, Vorsitzender Kreisjägerschaft Plön und Mitglied des Mierendorff-Stiftungsrates, »wir stehen für die Sicherung der Natur und für die Nachhaltigkeit.«
Rund 100 bis 120 Vögel werden pro Jahr in der Voliere aufgenommen, 80 Prozent davon können später geheilt in die Wildnis zurück gegeben werden. Die Hege und Pflege geht so weit, dass heranwachsenden Jungvögeln, die das Jagen ihrer Beute verlernt oder gar nicht erst gelernt haben, auf die Sprünge geholfen wird. Kurz berichtet: »Zur Zeit lasse ich aber ein paar Turmfalken nicht 'raus - die würden trotz unseres Trainings bei der herrschenden Dürre draußen nichts zu Fressen finden. Da schieben wir die Auswilderung bis auf einen günstigeren Zeitpunkt auf.«
Mindestens 5000 Euro kostet der Unterhalt der Vogelstation jährlich - ein Großteil davon geht drauf für die Beschaffung von Futter und die tierärztliche Betreuung. »Wir knabbern leider am Stiftungsvermögen«, berichtet Mitstreiter Christian Meissner, »da kommt jede Spende natürlich recht.«

Wer sich näher über die Stiftung informieren möchte, die 2002 im Namen der 1999 verstorbenen Eutiner Landwirtin und Tierzüchterin Elisabeth Mierendorff gegründet wurde, kann sich unter www.stiftung-mieren- dorff.de im Internet umsehen. Dort werden auch Wege aufgezeigt, wie man die Eutiner Heger und Pfleger durch Spenden bei ihrer ehrenamtlichen Arbeit unterstützen kann.

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